Vorsitzender Michael Gaßner aus Freiburg verstorben
 
 
 
Der Berufsverband der Hygieneinspektoren Baden-Württemberg trauert um seinen langjährigen 1. Vorsitzenden Michael Gaßner.
 
Michael absolvierte den letzten Ausbildungslehrgang für Gesundheitsaufseher 1981 im damaligen Medizinischen Landesuntersuchungsamt in Stuttgart, war beim Gesundheitsamt Freiburg beschäftigt und wurde bei der Mitgliederversammlung des Verbandes am 09.07.1990 zum Vorsitzenden gewählt.
 
Michael war gleich von Anfang an sehr aktiv. Er hatte viele Ziele vor Augen, welche er mit Zähigkeit verfolgt, Berührungsängste hatte er keine, schwierigen Gesprächen ging er nicht aus dem Weg.Sein Arbeitspensum war unglaublich, selbst am Wochenende war er häufig für den Verband unterwegs, hat Stellungnahmen verfasst oder Fortbildungen vorbereitet.
 
Es ist unmöglich aus seiner 30 jährigen Amtszeit alle wesentliche Dinge zu erwähnen. Nachfolgend kann es mit Blick auf die vielen vollgestopften Leitz-Ordner nur bei einem schwachen Versuch bleiben,
und die vielen Begegnungen und Aktivitäten nur stichwortartig angerissen werden:
 
Da sind unzählige Besprechungen, Termine und Schriftverkehr mit den Ministerien, MLUA bzw. LGA, es wurden Arbeitsgemeinschaften gegründet, Michael war beim Bundesverband der Hygieneinspektoren tätig, war bei Delegiertenversammlungen, häufig mit dem Registergericht in Kontakt, zu Gesprächen beim Landkreistag, nahm Stellung im Rahmen von Anhörungen zu Gesetzesvorlagen, war involviert beim DVGW, pflegte gute Kontakte zu dem bayerischen Berufsverband, arbeitete mit im Bund/Länderarbeitskreis AG Kleinanlagen, initierte dass unsere Satzung jeweils auf denzeitgemäßen Stand überarbeitet wurde.
 
Als Ergebnis seiner qualifizierten guten Arbeit im Trinkwasserbereich wurde er zum Mitglied der Trinkwasserkommission beim UBA berufen.
 
Federführend organisierte er zum Thema Trinkwasserhygiene seit 1996 jährlich attraktive Fortbildungen. Durch seine umfangreichen Kontakte zum UBA, Firmen und Referenten hat er immer interessante und aktuelle Themenbrennpunkte gesammelt. Die Veranstaltung hatte sich bald einen exzellenten Ruf erworben.
 
Die angebotenen Workshops schwerpunktmäßig in Todtnau/Fahl mit wertvollem Erfahrungsaustausch hat er bei vielen Fortbildungen wesentlich mit gestaltet.
 
Bedingt durch die Kommunalisierung 1995 ergaben sich strukturelle Veränderungen in den Gesundheitsämtern. Das erarbeitete „Positionspapier des BVDH über Status und Situation der Gesundheitsaufseher in Baden-Württemberg“ machte unsere Arbeit gegenüber dem neuen Dienstherrn transparent und stellte eine gute Grundlage für die kommende APO dar.
 
Da wir als Verband nur wenig Möglichkeiten hatten auch bei politischen Gremien Zugang und Gehör zu bekommen, wurde mit einem Mitgliederbeschluss im Jahr 2005 ein Beitritt zum BTB vollzogen.
 
Ein besonderes Highlight war sicher der Bundeskongress der Hygieneinspektoren der im Jahr 2005 in Baden-Württemberg im Europapark in Rust stattfand. In diesem besonderen Ambiente wurde unser 25-jähriges Jubiläum gebührend gefeiert.
 
Sein „Baby“ war der Newsletter, welchen er ins Leben gerufen hat. Monat für Monat hat er absolut pünktlich zum 15. unter erheblichem Zeitaufwand nunmehr 160 Ausgaben heraus-gebracht.
 
In der Arbeitsgruppe zur Novellierung des ÖGDG-Gesetzes hat Michael im Ministerium die Interessen unserer Berufsgruppe standhaft dargelegt. Auch wenn manches aufgrund der zementierten Hierarchieebenen leider eingedampft wurde.
 
Ein jahrzehntelanger Streitpunkt war unsere Berufsbezeichnung. Die vom BVDH favorisierte Bezeichnung Hygieneinspektor wurde vom Ministerium beharrlich abgelehnt. Das Registergericht lehnte im Jahr 2006 die Eintragung des Namens „Berufsverband der Hygieneinspektoren“ in unserer Satzung ab. Der BVDH hatte dagegen Rechtsmittel eingelegt, und in dem Verfahren Recht bekommen. Die Beharrlichkeit des Vorsitzenden hatte sich auch hier gelohnt.
 
Bezüglich einer Ausbildungs- und Prüfungsordnung wurde über Jahrzehnte heftig gerungen. Im Jahr 1998 sollten wir im Rahmen der damaligen Tendenz zu Deregulierungen nur noch eine Leitlinie zur Qualifizierung zum Gesundheitsaufseher bekommen. Dies wurde vom Verband im Kern abgelehnt.
 
Durch unermüdliche Vorstöße beim SM kämpfte Michael beharrlich weiter für eine Ausbildungs- und Prüfungsordnung für die Hygieneinspektoren. 
 
Parallel dazu musste auch noch eine Laufbahnverordnung geschaffen werdenZiemlich überraschend ist dann doch endlich im Gesetzblatt Baden-Württemberg am 15.12.2014 eine Ausbildungs- und Prüfungsordnung für Hygienekontrolleurinnen und Kontrolleure und eine Laufbahnverordnung veröffentlicht worden. Dafür hat Michael 25 Jahre gekämpft und noch den Erfolg seiner Arbeit erlebt.
 
Michael Gaßner war Motor und treibende Kraft mit vielen Ideen für Neues, für Veränderungen, aber auch dafür Bewährtes zu erhalten.
 
Er hat sich mit ständigem Engagement und sehr viel Herzblut für unseren Verband eingesetzt und ihn ganz wesentlich mitgeprägt. 
 
Leider konnte er die letzte Zeit bedingt durch seine schwere Erkrankung nicht mehr an allen Veranstaltungen teilnehmen. Seine Verbundenheit und Interesse an der Verbandsarbeit war jedoch immer da.
 
Michael starb im Alter von 66 Jahren viel zu früh.
 
 
Michael durch wirst uns und mir sehr fehlen – herzlichen Dank für deine sehr gute Arbeit für unseren Verband, für viele auch persönlich gute Zeiten mit großer Fachlichkeit und dem nötigen Humor.
 
 
 
Im Namen des Berufsverbandes und
 
deinem Weggefährten über 40 Jahre lang
 
 
 
Andreas Vogt

 

Die Vorträge der 17. Trinkwasserfachtagung finden Sie hier:

Masterplan Wasserversorgung - aus Sicht des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, Frau Bauer

Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserversorgung - was Strukturgutachten beitragen können, Fritz Planung GmbH

Auswirkungen der klimatischen Veränderungen aus Sicht eines Wasserversorgers, Herr Freygang

Antibiotikaresistenzen, Frau Stange

Konsequenzen des Klimawandels für Quellwasserversorgungen, Herr Dr. Stauder

Kleine dezentrale Wasserversorgungen und ihre Probleme in Zeiten des Klimawandels, Herr Dold